unkreativunmenschlich

„Mir wurde oft gesagt, ich sei kein Typ“

Ein Wilder Sommer in Schwaz

(c) Produktion West

Alexandra Leonie Kronberger eroberte diesen Winter die österreichischen Kinos. Sie spielt Karin Weber, eine der Hauptrollen im Film „Ein Wilder Sommer“. Das Drama der Innsbrucker Produktion West wird am 31. Jänner auch im SZentrum in Schwaz vorgeführt.

„Zur letzten Frage: Was ist dein Erfolgsgeheimnis?“ Alexandra zögert einen Moment, bevor sie antwortet: „Durchhalten! Ich bin eine Hacklerin.“ Wenige Minuten später verschließt die 28-Jährige die Tür des Proberaums und verlässt ihren Arbeitsplatz. In ein paar Tagen wird sie sich in Spanien am Meer entspannen. Nach diesem arbeitsintensiven Jahr ist die Vorfreude darauf groß.

(c) Produktion West

Bereits im Februar 2018 fuhr Alexandra nach Niederösterreich, um bei den Dreharbeiten für den Kinofilm „Ein Wilder Sommer“ in die Rolle der Fabrikarbeiterin Karin Weber zu schlüpfen. Der Film spielt in den 80er-Jahren und vorwiegend in einem kleinen Dorf in der Wachau. Als die Fabrik des Ortes schließt, sind viele Menschen plötzlich arbeitslos und müssen neue Verdienstmöglichkeiten in Betracht ziehen. Es ist ein Film über gesellschaftliche Umbrüche, ländliche Lebenswelten und individuelle Identitäten.

„Karin Weber ist eine eher moderne Frau“, erklärt Alexandra. Die Figur definiert sich über ihre Arbeit. Sie möchte auf eigenen Beinen stehen, hat jedoch keinen Hauptschulabschluss und nicht genug Selbstvertrauen, um Neues zu lernen. „Erst durch die Schließung der Fabrik und ihre Freundschaft zu Anna, die in Innsbruck studiert, erhält Karin neue Perspektiven“, sagt Alexandra. So werden Reisen und Bildung plötzlich zum Thema.

In der Vorbereitung auf den Dreh erarbeitete sich Alexandra die Lebensgeschichte von Karin und zeichnete Beziehungsdiagramme. Sie musste sich eine stabile Basis schaffen, um sich anschließend in die Figur hineinversetzen zu können. Das war anfangs gar nicht so leicht. Alexandra und Karin schienen komplett unterschiedliche Menschen zu sein. „Grundsätzlich glaube ich, dass man in jeder Figur Ähnlichkeiten zur eigenen Person entdecken kann. Wenn das gelungen ist, fällt es auch leichter die Handlungen einer Figur zu verstehen“, sagt die Tirolerin.

(c) Christina Vettorazzi

So war es schließlich auch bei Karin. Beide Frauen sind selbstständig, lieben ihre Arbeit und können in viele Rollen schlüpfen. Karin arbeitet in der Fabrik, als Kellnerin und manchmal auch als Putzfrau. Alexandra hat als Schauspielerin bereits bei Film- und Theaterproduktionen mitgewirkt, steht als Regisseurin hinter der Kamera, als Schauspiellehrerin vor dem Nachwuchs der Branche und sitzt als Germanistik-Studentin im Hörsaal. Eine Kombination aus den Tätigkeitsfeldern Theater und Film sowie Schauspiel und Regie ist ihr Traum.

Sie schätzt die Unmittelbarkeit des Theaters und die zahlreichen Möglichkeiten des Films. Ihre persönliche Vielfalt hat sich in dieser Branche jedoch nicht immer als Vorteil entpuppt. „Mir wurde oft gesagt, ich sei kein Typ“, erinnert sich Alexandra. Im Allgemeinen verlangt die oberflächliche Besetzungspolitik nach markanten optischen Merkmalen, die bei ihr angeblich fehlen. „Aber das ist gut! Ich möchte wandelbar sein und verschiedene Rollen annehmen können“, fügt sie hinzu. Schließlich ist die Vielfalt auch eine Charaktereigenschaft des Schauspiels.

(c) Produktion West  – Alexandra mit Schauspielkollegen

Alexandra entdeckte diesen Beruf durch eine Bekanntschaft nach der Matura, hatte aber schon als kleines Kind einen ausgefallenen Berufswunsch, der ihre kreative Seite zeigte.

„Ich schrieb in jedes Freundebuch, dass ich Künstlerin werden möchte“,

erzählt Alexandra. Welche Art von Kunst sie machen wollte, wusste sie jedoch nicht. Als die Schulzeit endete, hatte sich das noch nicht geändert. Daher begann sie an der Universität Innsbruck Anglistik und Amerikanistik zu studieren und als Kellnerin zu arbeiten.

Schon nach kurzer Zeit merkte sie, ebenso wie Karin im Film, dass ihre Zukunft nicht im Wirtshaus liegt. Der Kellner, der hingegen die Schicht vor ihr hatte, schien mit den Aufgaben und Schwierigkeiten des Jobs gut umgehen zu können. Er strahlte etwas aus, das ihr zu fehlen schien: Autorität. Als sie ihn darauf ansprach, meinte er, dass das vielleicht an seiner Ausbildung zum Schauspieler liege. So erfuhr sie von der Innsbrucker Schauspielschule, machte die Aufnahmeprüfung und konnte im Herbst 2009 mit der Ausbildung beginnen.

(c) Christina Vettorazzi

Heute sind Alexandra Leonie Kronberger Bühnen, Filmsets und Proberäume bestens vertraut. Für das Interview zu diesem Text öffnet sie einen dieser Räume, lädt ein zum Blick hinter die Kulissen. Überall stapeln sich Requisiten von und für Aufführungen. Sie setzt sich auf einen der freien Holzstühle und beginnt zu erzählen: „Karin Weber ist ungefähr 23 Jahre alt und ein Arbeitertyp…“

Link: Ein Wilder Sommer – Infos & Trailer

Dieser Text wurde von unserer Gastautorin Christina Vettorazzi verfasst.

 

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