unsexy & unsittlichunveröffentlicht

Eine Beziehung in vier Akten

Anfang, Liebe, Alltag, Leid.

(c) Vidar Nordli-Mathisen

Jonas und Julia

Eine kurze Geschichte.

 

1.) Der Anfang:

Sie gingen durch eine dunkle Gasse. Jonas Atem roch nach Parisienne und Bier. Es war spät in der Nacht, oder auch früh am Morgen. Der Himmel war wolkenverhangen. Clubtüren spukten Menschen ins Freie, begleitet von tiefen Bässen. Die Türen schlossen sich, die Musik verstummte, Leute torkelten dahin. Jonas Arm lag schwer auf Julias Schulter. Sie kannten sich schon ewig, und irgendwie auch nicht. „Das wär doch verrückt“, sagte Julia. „Was unsere Freunde wohl sagen würden“, sagte Jonas. Er grinste sein schiefes Grinsen. Dann küsste er sie.

„Das wird sowieso nichts Festes“, sagte Julia. „Wir haben nur Spaß“, sagte Jonas. Freunde schüttelten die Köpfe. Jonas grinste sein schiefes Grinsen. Sie sahen sich nun mehrmals in der Woche. Rauchten eine Zigarette, gingen zusammen nach Hause. Sie sprachen nicht darüber, was es ist oder wohin es führt. „Es ist was es ist“, sagt Julia. „Ich geh sowieso bald weg“, sagte Jonas. Keine dunklen Zukunftswolken, kein Label. Kein „ich muss drei Tage warten, bis ich zurück schreibe“. Einfach nur zwei Menschen, die gerne miteinander schliefen. Mit jedem Mal, ein bisschen lieber.

Sein Zimmer, ein Chaos. Überfüllte Aschenbecher, leere Pizzakartons. Dicker Staub auf schiefen Ikea-Möbeln. Es war ihr egal. „Es ist nur Sex“, sagte sie sich und schlief auf seiner Brust ein.

(c) Becca Tapert

2.) Die Liebe

„Es ist nur eine Schublade“, sagte Julia. „Ihr seid so gut wie zusammen“, antwortete Benni. „Das ist doch Blödsinn“, gab sie sich empört – und wusste tief drinnen, dass es wahr war. Sie fuhren gemeinsam weg. Spätherbst, Sonnenschein, laute Musik. Kein Ziel, nur er und sie. Als sie zurück kamen waren sie ein Paar. An Silvester sagte sie ihm zum ersten Mal, dass sie ihn liebte. Sie lagen verschwitzt auf dem Boden seines Zimmers, die Körper aneinander klebend. Die Jahreszahl sollte sich ändern, bis er antwortete. Vier Wörter, eine Zukunft: Ich liebe dich auch.

(c) Roven Images

3.) Der Alltag: 

Er tat sich schwer über seine Gefühle zu sprechen. Schon immer. Noch mehr, wenn sie darauf wartete. Die ersten Streits kamen. „Räum doch endlich mal auf“, sagte Julia. „Das war dir früher doch auch egal“, sagte Jonas. Seine Gleichgültigkeit hing in Form von dicken Nikotinschwaden im Raum. Ihre Hysterie glitt hindurch wie ein scharfes Messer durch ein Stück Fleisch. „Kannst du wenigstens ein bisschen Interesse zeigen“, schrie sie. „Kannst du dich bitte verpissen“, brüllte er zurück. Sie weinte, er ging.

Versöhnung, Besserung gelobt. Große Pläne, keine Taten. Die Versprechen, die er mit seinem Mund schrieb – ungedeckte Schecks. Sie wurde immer launischer, er immer distanzierter. „Was passiert nur mit uns?“, fragte sie. „Ich weiß es nicht“, antwortete er. Dann schliefen sie Arm in Arm ein.

Keine 24 Stunden später der nächste Streit. Die Abstände wurden kürzer, die Eskalationen heftiger. Türen knallten, Tränen rollten. Sie begangen sich zu trennen. Immer und immer wieder. Wegstoßen, herholen.

Dazwischen: Momente des tiefen Glücks. Küsse in dunklen Gassen. Zugeständnisse. Gemeinsame Pläne, ungewaschene Wäsche.

Vier Worte, eine Zukunft.

(c) Kayla Harris

4.) Das Leid

Sie weinte, als sie sagte es sei genug. Sie weinte, als sie ihre Sachen in Kartons packte. Sie weinte, als sie ihre neue Wohnung einräumte.

Er weinte, als sie weg war.

(c) Luis Galvez

 

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