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Ein kurzes Strandfest – Will and the People in der Bäckerei

Die Londoner Band Will and the People ließ es akkustisch krachen und die Menge tanzen

(c) Benjamin Stolz(c) Benjamin Stolz

Es schien als wäre Peter Doherty nach einer durchzechten Nacht in Ibiza gestrandet.  Im aufgeknöpften Hawaiihemd, zwischen dessen Knöpfen eine Strandkette wie aus dem Souvenirladen baumelte, nuschelte Will Rendle, der Will in Will and People, eine gute Stunde seine Songs in das Mikrofon. Als er dann noch einen Strandhut auf die Bühne zauberte, den er so weit in die Stirn zog, dass man die Augen nicht mehr erkannte, war allen klar, wem hier unter anderem Tribut gezollt werden sollte.

(c) Benjamin Stolz
(c) Benjamin Stolz

Eine Acoustic-Show „with a twist“ hatte die Bäckerei im vorhinein angekündigt. Wo genau dieser twist zu finden war, offenbarte sich bis zum Schluss nicht. Das Londoner Quartett „Will and the People“ bot dem Publikum, was es erwartete: Eine Beach-Party, vier Jungs, die es krachen ließen, Spagate zwischen Reggae, Rock, Vampire-Weekend-Indie-Hüpfburg, Dohertyesken Balladen und schmolligen Schrammelnummern über die Leiden des jungen Will und seiner People. Und ihre Rechnung ging auf. Das intime Konzert machte Spaß, zwischen den Songs gab es sogar den einen oder anderen joke über das der Band vorgesetzte food. Der Mann, der die Aufmerksamkeit auf sich zog und behielt, war der Frontmann. Die Erkenntnis: Der Name Will and the People ist programmatischer als man denkt.

Der Legende nach haben sich die Mitglieder von Will and the People auf dem Glastonbury-Festival kennengelernt, und so passen Sound und Auftreten der Musiker zusammen, von denen man fast meinen könnte, sie wären gerade aus dem vom Festival kommenden Zug herausgepurzelt. Ihr Auftritt machte von Anfang an Laune, die Band schien mindestens genau so viel Spaß daran zu haben wie das Publikum, das wiederum nicht lange mit dem Warten auf die kleinen Hits wie „Trustworthy Rock“ oder „The Game“ auf die Folter gespannt wurde. An einem gewissen Punkt flaute die Party musikalisch ein bisschen ab. Hatte man diesen Song nicht schon einmal gehört, und hatte der Gitarrist diese bestimmten drei Bünde nicht schon des Öfteren in derselben Reihenfolge gedrückt? Dem Publikum war’s wurscht, getanzt und gehoppelt wurde trotzdem, denn aus den Instrumenten der Londoner Energiebündel waren selbst die langsamen Nummern tanz- oder zumindest schunkelbar.

Die Bier-und-Klappstuhl-Romantik war im lilagelben Licht ungebrochen, für einen gemütlichen akkustischen Gitarrensoundabend in Baggyhosen war es allerdings ein bisschen zu laut. Nach der vorletzten Nummer bettelten die Zuhörer noch brav um eine Zugabe, die Band war allem Anschein nach nicht mehr motiviert; nach einer schnellen Zugabe hieß es good night, und selbst ein fünfminütiges Jaulen erweichte keine Herzen. Die Beachparty ertrank in belangloser Bühnenaufräummusik, auf der Bühne stand noch die bunt bemalte Gitarre.

Tags : Kunst

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